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MitteilungVeröffentlicht am 12. Februar 2024

Gemeinsam innovieren, um Sicherheit zu gewährleisten: HEDI und DIANA

Innovationen sind längst in der Verteidigung angekommen und werden entsprechend immer stärker gefördert. Zwei internationale Initiativen im Bereich der Verteidigungsinnovation sind dabei besonders nennenswert: Einerseits HEDI von der Europäischen Verteidigungsagentur EVA, andererseits DIANA von der NATO. Die Schweiz hat dabei bereits ihr Interesse bekundet, sich an HEDI beteiligen zu wollen und wäre auch interessiert an DIANA, falls dieses für Drittstaaten geöffnet wird.

Anastasija Spajic, Mission der Schweiz zur EU, Rüstungsgeschäfte, Staatssekretariat EDA

Samuel Bärtschi, Forschung und Innovation, armasuisse Wissenschaft und Technologie

Im Bereich der internationalen Verteidigungsinnovation gibt es zwei grosse Initiativen: das Instrument HEDI seitens EVA und DIANA seitens NATO. Dieser Beitrag setzt sich mit der Schweiz und ihren Möglichkeiten in Bezug auf diese beiden Innovationsinitiativen auseinander.

EVA: Stärkung der gemeinsamen Kooperation durch Innovationsvorhaben

Beim HEDI handelt es sich um einen Innovationshub, der 2022 durch die Verteidigungsministerinnen und -minister der EVA-Mitgliederstaaten eingerichtet wurde. Der Hub besteht dabei aus drei Säulen: der Identifikation, der Implementierung und der Sensibilisierung von innovativen Ideen. Die Werkzeuge von HEDI zur Umsetzung von Innovationsprojekten basieren im Einzelnen auf den folgenden sechs Bereichen:

I.Entwicklung einer gemeinsamen Vision
II.Innovationswettbewerbe
III.Innovation Challenges
IV.Proof of Concept Demonstration
V.Shows / Ausstellungen / Zeremonien
VI.Einführung von Innovation

Die Grundlage für die aktuelle und potentiell zukünftige Kooperation in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Training und Ausbildung, Fähigkeitsentwicklung und gemeinsame Beschaffungen bildet die Verwaltungsvereinbarung zwischen der Schweiz und der EVA aus dem Jahr 2012. Seit 2018 hat sich die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EVA deutlich intensiviert: Die Schweiz nimmt bspw. regelmässig an diversen Arbeitsgruppen (z.B. zum Thema Weltraum) teil und beteiligt sich an Datenbanken und Projekten, wie zum Beispiel an den CapTechs (Capability-Technology Groups). Diese sind für die Durchführung von Forschungs- und Technologietätigkeiten sowie die Identifizierung von Technologielücken und gemeinsamen Interessenbereichen für die Zusammenarbeit zuständig.

Ende 2023 hat armasuisse Wissenschaft und Technologie zudem einen offiziellen Antrag zur Schweizer HEDI-Teilnahme gestellt. Diese würde neue Möglichkeiten für das Schweizer Innovationsökosystem sowie seine Sicherheit mit sich bringen. Im Gegenzug zu einem finanziellen Betrag – wie er von allen Mitgliedstaaten geleistet wird - könnte die Schweiz von den oben genannten Punkten profitieren (bspw. durch die Teilnahme an Innovationswettbewerben), Zugang zu einem wichtigen Netzwerk erhalten und sich gemeinsam mit anderen europäischen Staaten austauschen und an Innovationsprojekten beteiligen. Der Beitritt der Schweiz zu HEDI wäre auch eine Gelegenheit, die Stärken der Schweizer Wirtschaft weiter hervorzuheben. So lag die Schweiz 2022 das zwölfte Jahr in Folge auf Platz eins des Rankings Global Innovation Index der Weltorganisation für Geistiges Eigentum (WIPO).

NATO: Förderung von Innovation durch Challenges

Auf Seite der NATO wurde im Juni 2023 DIANA gestartet, welche ähnliche Ziele wie HEDI verfolgt, jedoch mit einem unterschiedlichen Ansatz. DIANA ist darauf ausgerichtet, Innovationsbedürfnisse aus den Arbeitsgruppen der NATO in sogenannten Challenges – welche im Rahmen einer wettbewerbsorientierten Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen gestellt werden - zu lancieren, entsprechende Ideen zu selektieren und innert eines Jahres auf nationalen Testinfrastrukturen mit fachlicher Begleitung von Mentorinnen und Mentoren auszubauen. Ein erster Durchgang mit drei Challenges findet seit Sommer 2023 statt, in welchem 42 Innovationsprojekte aufgenommen wurden. Ab 2025 sollen jährlich zehn Challenges veranstaltet werden, wobei die geförderten Ideen immer einen sogenannten Dual Use-Charakter (zivile und militärische Nutzung) haben sollen. Anders als bei HEDI spielt auch das kommerzielle Potenzial in der Vergabe und Entwicklung von Innovationsprojekten eine Rolle. Eine Schwesterinitiative ist der NATO Innovation Fund (NIF), der Ideen mit hohem Potential, aber grösseren Entwicklungsaufwänden, Risikokapital zur Verfügung stellen soll.

Die Schweiz ist seit 1996 ein Partnerstaat der NATO im Rahmen der Partnership for Peace (PfP). Seither wurde die Kooperation mit der NATO und ihren Agenturen intensiviert. Die schweizerische Zusammenarbeit ist gut etabliert. Sie begann mit der Schweizer Teilnahme an NATO-Missionen (Kosovo Force, KFOR), weitete sich aber laufend aus und umfasst heute Bereiche wie den Aufbau von Fähigkeiten und die Interoperabilität. Wie im Invidually Tailored Partnership Programme (ITPP) vom Sommer 2023 festgehalten, soll in Zukunft die Stärkung der Schweizer Verteidigungsfähigkeit im Zentrum stehen und die Zusammenarbeit mit der NATO gestärkt werden. Der Innovationsbereich der NATO ist für die Schweiz noch nicht offen: Derzeit sind die Instrumente DIANA und NIF noch nicht für Drittstaaten zugänglich. Nichtsdestotrotz wird eine Schweizer Teilnahme in Zukunft genau zu prüfen sein, wenn das Instrument für Partnerstaaten geöffnet wird.

Innovation für die Schweiz – heute und morgen (admin.ch)
DIANA | Home (nato.int) (auf Englisch)
HEDI (europa.eu) (auf Englisch)
Partnerschaft für den Frieden: Die Ziele der Kooperation zwischen der Schweiz und der Nato für 2023 und 2024 sind festgelegt (admin.ch)